Was bisher geschah, Update zum aktuellen Stand im Februar 2026

Über uns

Wir sind der Wagenplatz Schlagloch, ein politisches Wohn- und Kulturprojekt aus Kiel, in dem verschiedenste Menschen in ausgebauten Bauwagen und LKWs zusammen wohnen.

Wir sind ein unkommerzieller, offener Ort für alle und bieten Raum für Veranstaltungen, Mitgestaltung und politischen Austausch.

Wir wollen an dieser Stelle über die Ereignisse der letzten Wochen und Monate berichten. 

Unsere Wohn- und Kulturprojekt gibt es schon seit April 2017. 

Wir suchen eine Fläche für einen dauerhaften, legalen Standort für einen Wagenplatz in Kiel. Nach über 25 Umzügen, zahlreichen Besetzungen, einigen Zwischennutzungsverträgen, und vielen harten Verhandlungen mit der Politik, konnten wir uns in Juni 2024 auf einen Zwischennutzungsvertrag auf dem MFG 5 Gelände mit der Stadt einigen.

Mietvertrag und das erste Jahr auf dem MFG 5 Gelände

Am 04.06.2024 unterschrieben wir die Wagengruppe Schlagloch, mit dem Verein alternatives Wohnen Kiel e.V. einen umfangreichen Mietvertrag mit der Stadt. Anfang Juli 2024 bezogen wir unsere neue Fläche. 

Die Abmachung zu dieser Zwischennutzung, war ein Mietverhältnis bis zum Baubeginn des neuen Stadtteils Holtenau-Ost. Die Aussagen dazu, wann das sein würde, waren einstimmig. Sowohl aus der Ratsversammlung, als auch von Seiten der Ortsbeiräte in Holtenau und Pries/Freidrichsort, sowie von anderen Nutzer*innen des Geländes oder von Anwohner*innen der Stadtteile hieß es immer, dass mit dem Baubeginn frühestens in 5-10 Jahren gerechnet wird.

Dementsprechend richteten wir uns in unserem neuen Zuhause ein. Das Interesse war groß, die Bewohner*innen Zahl hat sich mehr als verdoppelt, viele neue Unterstützer*innen wurden aktiv. 

Viel ist in dem ersten Jahr passiert. Aus dem Nichts entstand ein toller Wagenplatz. 

Infrastruktur wurde aufgebaut; ob Holzunterstand,Feuerholzlager, Zäune, Gemeinschaftsküche oder überdachte Bühne; viele Menschen haben viel Arbeit und Liebe in die Gestaltung dieses Ort gesteckt, um einen offenen Raum für Zusammenkommen und Kultur zu schaffen.

Zudem wurde sich von Anfang an in die umliegenden Stadtteile eingebracht und sich mit unseren neuen Nachbar*innen erfolgreich vernetzt. Durch die Teilnahme an allen umliegenden Ortsbeiräten, der gemeinsamen Organisation von Demos gegen Rechts oder die Unterstützung und Teilnahme an Veranstaltungen, wie dem Festival am kleinen Strand oder dem Leuchtturmfest, waren wir schnell in aller Munde. Auch die regelmäßige Teilnahme am Runden Tisch gegen rechte Ecken und der Stadtteilmotto AG schaffte Vertrauen und Verbundenheit. Besonders unsere eigenen, stets unkommerziellen, Veranstaltungen, wie Sommer- und Herbstfeste, Konzerte, Kinovorführungen, Kinderzirkus, gemeinsames Kochen, Flohmärkte, und das Aufstellen einer viel genutzten Tauschbox, stießen weit bis über den eigenen Stadtteil auf hohe Resonanz. Wir hatten viel Spaß und haben uns gefreut, wie vielseitig wir aktiv werden konnten. 

Selbstverständlich waren wir zuversichtlich uns auch dauerhaft im neu entwickelten Stadtteil Holtenau-Ost etablieren zu können und beteiligten uns beispielsweise an allen Gesprächen und Beteiligungsverfahren zur Stadtentwicklung. Gemeinsam mit dem Bündnis für bezahlbarem Wohnraum forderten wir 30% sozialen Wohnraum bei den fast 2500 geplanten neuen Wohnungen.

Erst Vertragsverlängerung und dann plötzliche Kündigung

Der Mietvertrag auf unserer aktuellen Fläche, am Schusterkrug, lief zunächst etwas über ein Jahr. Von der Politik und Verwaltung war uns immer wieder  mündlich zugesichert, dass weitere Verlängerungen mit einer Vertragslaufzeit von mindestens einem Jahr mit Sicherheit stattfinden würden. 

Doch in einem Gespräch mit der Stadtverwaltung am 21.05.2025 heiß es dann völlig unerwartet, dass der Mietvertrag nicht länger als erst mal nur ein halbes Jahr (bis Mai 2026) verlängert werden kann. Man wüsste noch nicht, wie es danach mit diesem Gelände weitergehen soll. Was bei uns zunächst einmal auf Belustigung stieß, stellte sich schon ein paar Tage später als ein harter Schlag in die Magengrube heraus.

Denn nein; die Stadt überlegte nicht, ob in einem halben Jahr schon Baubeginn auf dem Gelände sein sollte. Die Stadt wird das MFG5 Gelände wieder an die Bundeswehr zurück verkaufen.

Unsere Chancen, uns  langfristig in dem Stadtteil Holtenau Ost, welcher hier entstehen sollte, zu integrieren sind damit dahin. Die Arbeit, die wir  in unseren Platz gesteckt haben war größtenteils umsonst! Jetzt, wo das Gelände verkauft wird, wird alles, was dort in den letzten Jahren aufgebaut wurde, hinfällig. Sehr viele Menschen haben sich für den neuen Stadtteil Holtenau-Ost und für die aktuelle Nutzung des MFG 5 Geländes eingesetzt! 

Ihrer aller Arbeit und Beteiligung wird zunichte gemacht.

Das ist respektlos!

Wir sprechen uns nach wie vor ganz klar gegen einen Verkauf  des Geländes aus. Eine weitere Millitarisierung unserer Stadt wollen wir nicht unterstützen.

Nach den jüngsten gemeinsamen Aktionen und starken zivilgesellschaftlichen Allianzen von unser Seite, gegen den Verkauf des Geländes, bekam die Stadtverwaltung dann mutmaßlich Angst. Seit geraumer Zeit lässt sie uns deutlich spüren, dass wir zum „Problem“ werden könnten. Vermutlich aus Sorge, uns vor einem Verkauf des Geländes, nicht rechtzeitig von unserer Fläche zu bekommen, leitetete sie  entsprechende Maßnahmen ein…

Am 18.09.2025 gab es, nach über einem Jahr der Flächennutzung, die erste offiziell angekündigte, aber eigenmächtig durchgeführte Begutachtung/Überprüfung unseres Wagenplatzes von der unteren Bauaufsicht. 

Dabei gab es bereits direkt nach unserem Einzug mehrere kleine, unangekündigte Besuche, bei denen bis zu dem Zeitpunkt nie etwas beanstandet wurde. Bereits bei einem Termin mit der Stadtverwaltung am 21.05.2025 war der selbiger Vertreter der Bauaufsicht anwesend und teilte uns mit, dass er hier und da ein Auge zudrücken würde. Es wurden zu keiner Zeit, von keiner Behörde, Beschwerden, Änderungswünsche oder Ähnliches an uns heran getragen. Selbstredend wären wir jederzeit bereit gewesen zu reagieren, um den Bauordnungen oder unserem öffentlich rechtlichen Nutzungsvertrag (Duldungsvertrag) möglichst zu entsprechen. 

Doch getreu dem Motto „Wo geprüft wird, wird gefunden!“, sollten in der Begehung einige, aus unserer Sicht, völlig haltlose Gründe gefunden werden, die eine sofortige Kündigung angeblich rechtfertigten. 

Am 01.10.2025 bekamen wir dann die frohe Botschaft: Aus großer Herzensgüte und Freundlichkeit verzichte die Verwaltung darauf zwei Dutzend Menschen im Winter, in die Obdachlosigkeit zu schicken.

Unser Mietvertrag wurde ein letztes Mal bis Ende Mai 2026 verlängert.

Wir sind von diesem Vorgehen absolut erschüttert und es zeigt uns ganz klar: Ein langfristiger Vertrag mit der Stadt kommt für uns perspektivisch bestenfalls mit einer Umwidmung im Flächennutzungsplan in Frage. Lediglich eine Duldung unserer Wohnform ist für uns keine dauerhafte Option mehr. Denn diese hängt vom guten Willen von Politik und Verwaltung ab, kann willkürlich ausgelegt werden und jederzeit enden.

Wir brauchen eine langfristige Perspektive und Planungsicherheit. 

Durch die kurzfristige Kündigung zu Ende Mai 2026, steht nun das gesamte Projekt Wagenplatz Schlagloch, mit  24 Bewohnenden, darunter auch Kinder, vor der Perspektiv- und Wohnungslosigkeit. 

Wo sollen wir hin und wo geht es mit unserem Projekt weiter?

Egal was auch passiert, der Wagenplatz Schlagloch war nie stärker und wird weitermachen. 

Die alternative Wohn- und Lebensform vom Wagenleben gewinnt immer mehr an Popularität und Akzeptanz in der Gesellschaft und bietet gerade in Zeiten von Wohnraummangel und völlig überteuerten Mieten eine wichtige Alternative zur Wohnung. Wagenplätze bieten nicht nur ein kostengünstiges Wohnen für Menschen, die sich sonst kein Wohnraum leisten könnten, auch der soziale Aspekt bietet viele Vorteile. Denn in einer Gesellschaft, in der Isolation und Vereinzelung immer mehr zunehmen, wird das gemeinschaftliche Leben in einer Gruppe ein immer wichtigerer Lebensentwurf. Zudem setzen wir ein klares Zeichen gegen den Rechtsruck und bieten mit Angeboten zu politischer Bildung, Kunst und Kultur einen klaren Mehrwert für die Gesellschaft. Wir merken aufgrund der regelmäßigen Anfragen immer wieder wie groß der Bedarf an Wagenplätzen ist.

Deshalb verweisen wir die Politik darauf, dass es jetzt den politischen Willen und die Flexibilität/Kreativität der Verwaltung und Behörden braucht, um eine dauerhafte Lösung zu finden.

Neue Flächensuche und Antrag des Ortsbeirates Freidrichsort

Doch der Umgang der Stadtpolitik und der Verwaltung mit uns und der Situation, dass wir jetzt unter Zeitdruck eine neue Fläche finden müssen, ist bisher alles andere als angemessen. 

Während wir in den Stadtteilen Holtenau und vor allem auch in Pries/Friedrichsort viel Zuspruch erfahren, ist jedoch unser Austausch mit der Verwaltung bisher noch nicht erfolgreich gewesen.

Auf die Kündigung folgte ein erster Mailverkehr mit der Stadtverwaltung. Das Ergebnis: etliche Flächenvorschläge von unserer Seite wurden unter nicht nachvollziehbaren Argumenten abgeschmettert und von Seiten der Verwaltung kam bisher nur ein einziger, aufgrund von starker Steigung, nicht realistisch umsetzbarer Vorschlag zu einer Wiese neben dem Wagenplatz Aubrook.

In der Verwaltung ist bisher kein Mut zu einer Flächenumwidmung erkenntlich. Eine Solche wird, wie in einer E-Mail ersichtlich, sogar kategorisch abgelehnt und „unter keinen Umständen in Betracht gezogen“.

Deshalb bauen wir jetzt um so mehr auf die Zusagen der Politik und einen klaren politischen Auftrag zur Umwidmung.

Am 27.11.2025 hatten wir einen persönlichen Gesprächstermin mit verschiedenen Vertreter*innen der Grünen.

Uns wurde die Unterstützung für eine geeignete Fläche bis zum Umzugsdatum, oder alternativ eine Übergangslösung zugesichert. Mehr ist jedoch bisher noch nicht zu Stande gekommen, was uns aufgrund des Zeitdrucks und den harten Aussagen der Verwaltung einige Sorgen bereitet.

Ortsbeirat und Antrag

Ganz anders sieht es mit der Unterstützung des Ortsbeirates Pries/Friedrichsort aus. Besonders die Vorstände haben uns sehr unterstützt und für uns einen Antrag für die Ratsversammlung geschrieben. 

Wir haben uns sehr gefreut, wie gut der Antrag in der Ortsbeiratssitzung vom 07.01.2026 aufgenommen wurde und wie viel positives Feedback wir dazu bekommen haben. 

Hier hat sich die gute Nachbarschaft die wir im letzten Jahr aufgebaut haben, gezeigt. Der Antrag wurde fraktionsübergreigfend und einstimmig, unter Applaus, angenommen.

Konkret geht es in dem Antrag um den Wunsch des Stadtteils, dass die Wagengruppe Schlagloch, eine Fläche im Stadtteil Friedrichsort umgewidmet bekommt. 

Bevorzugt geht es dabei um eine Fläche am Rande eines Kleingartengebietes am Grüffkamp. 

Dort gibt es ein seit Jahrzehnten nicht genutztes „Maisfeld“, auf dem die äußeren Gegebenheiten für uns sehr passend sind. Deshalb können sowohl wir, als auch der der Ortsbeirat, uns den Standort eines Wagenplatztes auf einem Teil dieser Fläche sehr gut vorstellen.

Die Verwaltung verkündete reflexartig, dass auch diese Fläche aus verschiedenen Gründen ungeeignet sei. Schon in der Sitzung des Ortsbeirates wurde klar, wie vorgeschoben auch dieses Mal alle Gründe sind.

Die uneingeschränkte Unterstützung des Stadtteils wurde dagegen in der direkten Diskussion mit der Vertreterin der Verwaltung ersichtlich. Es gab ausschließlich Fürsprecher*innen für unser Anliegen. Auch der stellvertretende Vorsitzende aus der CDU sagte dazu: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Ganz unsere Worte…

Wie geht es weiter?

Der Antrag aus dem Ortsbeirat wurde am 05.02.2026 im Bauausschuss lebhaft diskutiert, jedoch mit Verweis auf Aussagen der Verwaltung, abgelehnt. Nun haben wir konkret noch einmal viele Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung um weitere Gespräche gebeten.

Unter Anderem werden wir, neben unseren bestehenden Kontakten zu den  Ortsbeiräten, mit folgenden Menschen noch einmal versuchen in den Austausch zu kommen: Anke Oetken (Grüne), Samet Yilmaz (Grüne), Nelly Waldek (Grüne), Arne Langnis (Grüne), Serpil Midyalti (SPD), Ulf Kämpfer (SPD), Uta Rautenstrauch (SPD/Verwaltung), Gerwin Stöcken (SPD), Sönke Klettner (SPD), Björn Thoroe (Linke), Owe Schröter (Die Partei), Marcel Schmidt (SSW).

Wir sind gespannt was die Gespräche ergeben und erwarten, endlich eine Lösung zu finden. 

Wenn es die Fläche am Grüffkamp nicht wird, hoffen wir auf eine andere Fläche in Holtenau oder Pries/Friedrichsort.

Es werden bereits die ersten die Forderungen an die Ratsversammlung, nach einem Alternativantrag für den Umzug unseres Wagenplatzes, laut.

Seid mit uns laut und schließt euch unserem Kampf für einen Wagenplatz Schlagloch in Kiel an!!!